2019 und meine Fotografie

Meine Art und Weise der Fotografie in 2019 war - wie auch schon Jahre zuvor - geprägt von Selbstzweifeln an dem was ich tue. Begonnen hat das Jahr mit dem zu diesem Zeitpunkt noch bei mir vorherrschendem Genre der Straßenfotografie und das erste Quartal 2019 endete mit einem tollen 2-tägigen Streetphotography Workshop bei dem großartigen Martin U Waltz in Berlin. Doch es ist wieder das gleiche wie schon in der Vergangenheit passiert: ein scheinbar nach außen tolles Erlebnis führt im Innern bei mir zu großen Fragen und Selbstzweifeln. Ist das was ich tue richtig, ist das Fotografieren von Menschen auf der Straße ohne deren Einwilligung wirklich OK? Welche der Bilder davon würde ich mir ins Wohnzimmer hängen, warum drucke ich eigentliche meine Bilder nicht aus und hänge sie auf? Sind meine Fotos überhaupt gut und genügen diese einem künstlerischen Anspruch oder sind sie nur Knipserei?

 

All diese Fragen führten dazu, dass ich ca. 3.000 - 4.000 Bilder gelöscht habe, meine private Fotowebseite entfernt habe, meine Facebook Fotoseite eliminiert habe und meinen Instagram Account bis auf wenige Bilder geleert, alle Abonnenten entfernt und auf „privat“ gestellt habe. Wiederum ein radikaler Schritt von mir, unverständlich würden wohl viele sagen. Ich habe dann ca. 4 Monate lange quasi keine Bilder gemacht und das Thema Fotografie fast komplett aus meinen Leben (auch in Social Media) verbannt. Zwischenzeitlich bin ich komplett auf das Fuji X-System umgestiegen und habe alle sonstigen Kameras, inkl. der analogen Nikon F100 verkauft. Wenn ich schon digital nicht fotografiere, dann brauche ich auch keine analoge Kamera - meine Gedankenwelt!

 

Gleichzeitig aber zog es mich doch immer wieder hin zur Fotografie und so kam im August 2019 eine 8 Jahre alte Fuji X-Pro1 mit einem gebrauchten 27mm f/2.8 Objektive zu mir und blieb. Es war auch das erste Mal, dass ich wieder bewusst nach draußen gegangen bin und fotografiert habe. Anders wie bisher, keine Menschen, aber trotzdem Szenen aus dem Alltag. Und anders mit der alten X-Pro1, langsamer und bewusster. Im September ist dann auch wieder eine analoge Kamera bei mir eingezogen, eine Minolta XG-M mit einem 55mm Objektiv. Zwei fertige Filmrollen warten derzeit noch auf Entwicklung. Meine Gedankenwelt rund um die Fotografie ist aber noch nicht wieder auf einen Nenner gekommen und ich weiß nach wie vor nicht, in welchem Genre der Fotografie ich mich „heimisch“ fühlen kann, heimisch fühlen will.

 

Ein Gedanke der mich dieses Jahr beschäftigt hat und für mich noch nicht zum Ende gekommen ist: Welches Bild, welche Bilder würde ich ausdrucken und bei mir Zuhause aufhängen (ich weiß, ich habe diese noch überhaupt nicht getan, daher beschäftigt mich diese Frage umso mehr)? Auf der Fahrt nach Berlin zu einem alten Freund und mit der Fuji X100F sind aus dem Zug heraus interessante Momentaufnahmen der Reise entstanden und bei einer Fahrt in den Oderbruch (wunderschöne Landschaft), hat sich ein gewisses Gefühl für Landschaftsfotografie eingestellt. Eher nicht im dem klassischen Sinne mit hochauflösenden HDR Bildern, eher in Form von einem minimalistisch angehauchtem Fine Art Stil.

Zu diesem Zeitpunkt bin ich auch auf die Bilder von Michael Kenna gestoßen und mag dessen Art von Landschafts- und Architekturbildern. Vielleicht kann dies ein Weg sein, den ich zukünftig weiter verfolge. Im Dezember hat dann noch ein iPhone 11 Pro seinen Weg zu mir gefunden und dessen fotografische Fähigkeiten sind schon wirklich beeindruckend. Ich bin am Ende diesen Jahres noch einmal Morgens raus und habe länger im Nordsternpark in Gelsenkirchen fotografiert, ohne vorher zu frühstücken und erst der Hunger gegen Mittag hat mich meinen Walk beenden lassen - ich hatte nach über 3 Stunden Fotografieren wirklich Hunger. Das Positive daran: ich war einfach nur auf Motivsuche, habe fotografiert und die Zeit vergessen...genau so soll es eigentlich sein (lediglich mein Magen hat rebelliert und mich daran erinnert, dass auch eine Fotograf mal „Energie“ tanken muss).

Dies stimmt mich bei all meinen Fragen zur Fotografie, bei all meinen Zweifeln zu dem was ich tue dann doch auch zuversichtlich, dass „fotografieren“ mich weiter begleiten wird. Wie genau und welche Motive ich suchen & finden werde, welche Bilder vielleicht in 2020 gedruckt und aufgehängt werden - ich weiß es heute noch nicht. Mein Instagram Account ist wieder zum Leben erwacht und vielleicht behalte ich doch auch meine Webseite bzw. aktiviere diese wieder. Vielleicht sind meine Gedanken, meine Selbstzweifel genau der Antrieb, der mich immer wieder irgendwie von „vorne“ beginnen lässt. Und vielleicht bin ich ja nicht alleine damit...?